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Große Risiken, hohes Potenzial: Zukunftschancen Ungelernter auf dem Arbeitsmarkt

Sie haben die mit Abstand schlechtesten Karten auf dem Arbeitsmarkt: Fast jede(r) zweite Ungelernte zwischen 20 und 34 Jahren (47,7 Prozent) war nach den Daten des Mikrozensus 2007 ohne Job, weitere 17, 7 Prozent waren nur geringfügig beschäftigt. Dass die jungen Ungelernten nicht nur ein hohes Risiko tragen, sondern auch ein großes Potenzial, durch berufliche Qualifizierung zur Schließung der Fachkräftelücke beizutragen, zeigt die Januar-Ausgabe des BIBB-Reports.

Schulabschluss spielt entscheidende Rolle

Die nackten Zahlen geben wenig Anlass zu Optimismus. Im Jahr 2007 gab es  5,3 Millionen Erwerbspersonen ohne berufliche Ausbildung, im Jahr 2009 lag die Arbeitslosenquote der Ungelernten bei 21,9 Prozent - mehr als dreimal so hoch wie bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (6,6 Prozent). 

Entscheidend für den beruflichen Erfolg ist offenbar in erster Linie, ob junge Männer und Frauen überhaupt über einen Schulabschluss verfügen. Insgesamt lag die Erwerbstätigenquote bei 20- bis 34-Jährigen ohne Schulabschluss und Berufsausbildung bei 42,3 Prozent (gegenüber 54,4 Prozent mit Haupt-/Realschulabschluss bzw. 55,4 Prozent mit Studienberechtigung). Noch deutlicher ist der Unterschied bei jungen Männern und Frauen mit Berufsausbildung: Hier waren 81,4 Prozent mit Haupt-/ Realschulabschluss bzw. 70 Prozent mit Studienberechtigung erwerbstätig, aber nur 42,6 Prozent ohne Schulabschluss. Die geringsten beruflichen Chancen haben junge Frauen ohne Schulabschluss: Bei ihnen lag die Erwerbstätigenquote bei nur 29,5 Prozent. Dagegen waren immerhin mehr als zwei Drittel (70,4 Prozent) der männlichen Ungelernten mit Studienberechtigung erwerbstätig.

Neben den Chancen der Ungelernten auf dem Arbeitsmarkt ermittelten die Autorinnen und Autoren des Bundesinstituts für Berufsbildung auch die Wirtschaftszweige und Berufe, in denen die Erfolgreicheren unter ihnen tätig sind. Hier zeigt sich eine hohe Konzentration auf nur wenige Berufszweige:

  • Gastgewerbe (11,5 Prozent)
  • Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (11,2 Prozent)
  • Einzelhandel (10,8 Prozent)
  • Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen (9,8 Prozent)
  • Baugewerbe (5,5 Prozent)


Können Ungelernte Fachkräftelücke schließen?

Doch gerade in diesen Berufszweigen sind die Zukunftschancen Ungelernter vergleichsweise gut - das zeigt eine Projektion des BIBB und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bis ins Jahr 2025. Während insgesamt ein leicht sinkender Bedarf an nicht formal Qualifizierten zu erwarten ist, bleibt der Bedarf in den Berufszweigen, in denen sie dominant vertreten sind, voraussichtlich etwa gleich - bei einem tendenziell sinkenden Angebot an Ungelernten. Und gerade in diesen Berufsfeldern zeigt sich schon heute ein rückläufiges Fachkräfteangebot. Diese Lücke könnten die Ungelernten schließen.

Voraussetzung dafür  ist eine zielgerichtete berufliche Qualifizierung. Eine erhebliche Verstärkung der Investitionen in Ausbildung würde sich nach Ansicht der Autorinnen und Autoren langfristig lohnen: "Mit einer beruflichen Qualifizierung von Ungelernten bis hin zum Fachkräfteniveau dürfte es gelingen, den für die mittlere Qualifikationsebene projizierten Mangel zumindest teilweise aufzufangen."

Zweifelhafte Weiterbildungsangebote

Bisher, so zeigt eine entsprechende Analyse des BIBB-Reports, nehmen Ungelernte nur in geringem Maß an beruflichen Weiterbildungen teil. Bei Qualifizierungsangeboten für Ungelernte waren nach einer Befragung im Jahr 2006 zudem die Angebote, die mit einer Teilnahmebescheinigung abgeschlossen wurden, mit etwa 80 Prozent weit überwiegend. Qualifizierungen, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen, hatten gerade mal einen Anteil von fünf Prozent. Eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt ist bei solchen Angeboten nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren zweifelhaft: "Insbesondere wenn Weiterbildung keine neuen Perspektiven wie Aufstieg und/oder Berufswechsel bietet, stellt sich die Frage nach ihrem Sinn."

Qualifizierung "von unten nach oben"

Eine Qualifizierungsstrategie, die sowohl den Ungelerntenanteil nachhaltig senken als auch dem Fachkräftemangel begegnen will, erfordert eine Erfassung der vorhandenen Kompetenzen Ungelernter, die dann in ein Qualifizierungskonzept einzubetten sind. Da die Zielgruppe sehr heterogen ist, empfiehlt der BIBB-Report eine große Bandbreite von Angeboten: vom niederschwelligen Einstieg in Lernsituationen über Vorbereitung auf regionale Kammerprüfungen bis hin zu modularisierten Schritten mit dem Ziel eines anerkannten Berufsabschlusses.

Denkbar sei ein Qualifizierungskonzept "von unten nach oben", das Ungelernte und Fachkräfte gleichermaßen in den Blick nimmt. Ungelernte Erwerbstätige, die durch geeignete Ausbildungsmaßnahmen zu Fachkräften werden, schaffen nach dieser Strategie Entlastung auf der Fachkräfteebene - und erleichtern dadurch indirekt auch die weitere berufliche Qualifizierung gelernter Fachkräfte.

(Quelle des Artikels: http://www.good-practice.de/)

 
 
 
Dies ist der aktuelle
Bericht von
www.good-practice.de
 
 
 
 
 
 

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